Geschichte und Entwicklung
Die Entwicklung der Materialprüfungsanstalt geht auf des Ende des 19. Jahrhunderts zurück und ihre Gründung entsprach einer seinerzeitigen Notwendigkeit. Werkstoffe und Konstruktionen wurden bis zu jener Zeit nämlich vorwiegend auf empirischer Grundlage hergestellt und beurteilt. Das zugrunde liegende Wissen war von Generation zu Generation meist mündlich weitergegeben worden und bildete bis an die Schwelle der Neuzeit die Grundlage für Handwerk und Industrie. Aus dieser Situation heraus wurden im damaligen Königreich Württemberg Anstrengungen unternommen, durch die Einrichtung eines Lehrstuhls für Maschinenelemente, Dampfmaschinen, Dampfkessel und Elastizitätslehre am Königlichen Polytechnikum eine richtungsweisende Einrichtung zu schaffen.
Im Jahre 1878 wurde Carl von Bach auf diesen Lehrstuhl berufen. Auf sein Betreiben hin wurde dann im Jahre 1884 durch Bekanntmachung des "Departements des Kirchen- und Schulwesens" im Staatsanzeiger für das Königreich Württemberg die Gründung der Materialprüfungsanstalt für die Bereiche Maschinenbau und Bauwesen am Polytechnikum Stuttgart angezeigt. In der damaligen Verfügung steht: "Die Materialprüfungsanstalt ist bestimmt, den Interessen der Industrie wie auch denjenigen des Unterrichts zu dienen".
Die erfolgreiche Erfüllung dieser Aufgabenstellung, die bis heute als unverändert aktuell angesehen wird, bedeutet die enge Verknüpfung zwischen der akademischen Ausbildung im Rahmen der heutigen Universität Stuttgart und der praxisorientierten Tätigkeit der Materialprüfungsanstalt. Im Hinblick auf diesen Anspruch erwies sich bis heute die enge Personalverknüpfung zwischen der MPA und dem Lehrstuhl für Materialprüfung, Werkstoffkunde und Festigkeitslehre (Ordinarius seit 1995 Professor Dr.-Ing. habil. E. Roos) sowie dem Institut für Werkstoffe im Bauwesen (Ordinarius N.N.) als besonders wichtig. Beide Professoren leiten in Personalunion auch die Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart, wobei die Geschäftsführung derzeit bei Prof. Roos liegt.
Nach dem Ausscheiden des Gründers Staatsrat Carl von Bach im Jahre 1922 wurde Richard Baumann, Professor für Elastizitäts- und Festigkeitslehre, zum Vorstand der Materialprüfungsanstalt ernannt.
Die zunehmende Spezialisierung hatte 1927, nach dem Tode Professor Baumanns, zur Aufgliederung der Prüfungsanstalt in die Abteilungen Maschinenbau und Bauwesen geführt. 1930 erfolgte auch eine verantwortungsmässige Trennung beider Abteilungen in zwei eigenständige Anstalten.
Die Abteilung Maschinenbau behielt den ursprünglichen Namen "Staatliche Materialprüfungsanstalt" (MPA). Nach dem Tode Baumanns wurde die Anstalt kommissarisch von Professor Otto Graf geleitet, bis 1931 Erich Siebel als Professor für Materialprüfung, Werkstoffkunde und Festigkeitslehre berufen wurde und der MPA bis 1940 und später wieder von 1947 bis 1961 als Direktor vorstand. Während Erich Siebel als Präsident der Materialprüfungsanstalt Berlin-Dahlem von 1940 bis 1947 tätig war, übernahm Otto Graf die Vorstandspflichten. Die Herren Ulrich (bis 1944), Wellinger (bis 1945) und Gimmel (bis 1947) waren kommissarische Institutsleiter. Karl Wellinger wurde 1961 auf den Siebelschen Lehrstuhl berufen und war bis 1976 Direktor der MPA Stuttgart. Ihm folgte Karl Kussmaul nach, der bis 1998 der MPA vorstand. Seit 1998 ist Professor Eberhard Roos Direktor der Staatlichen Materialprüfungsanstalt.
Die Abteilung Bauwesen wurde 1936 in "Institut für Bauforschung und Materialprüfungen des Bauwesens" umbenannt. Dieses Institut wurde von 1927 bis 1950 von Prof. Otto Graf geleitet, der, wie auch seine Nachfolger, an der Universität Stuttgart Baustoffkunde lehrte und diesem Lehrstuhl vorstand. Von 1952 bis 1969 stand Friedrich Tölke an der Spitze des Instituts. In seiner Amtszeit wurde 1952 des Institut in "Amtliche Forschungs- und Materialprüfungsanstalt für das Bauwesen (FMPA-Bauwesen)" umbenannt. 1953 erhielt die FMPA in Würdigung der Verdienste ihres langjährigen Leiters von der Universität Stuttgart den Beinamen Otto-Graf-Institut. Friedrich Tölke wurde von Gustav Weil (1969 - 1972) abgelöst und diesem folgte von 1973 bis 1990 Gallus Rehm. Unter dem Direktor Prof. Gallus Rehm wurde die FMPA-Bauwesen 1980 dem Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie Baden Württemberg als "Forschungs- und Materialprüfungsanstalt Baden-Württemberg (Otto-Graf-Institut)" zugeordnet. Gleichzeitig wurde das Chemisch-Technische Prüfamt mit Abteilungen in Stuttgart und Karlsruhe Teil der FMPA BW. Unter Prof. Reinhardt (seit 1990) erfolgte 2000 die Wiedereingliederung des Otto-Graf-Instituts in die Universität Stuttgart als "Forschungs- und Materialprüfungsanstalt für das Bauwesen, Otto-Graf-Institut (FMPA)".
Mit Wirkung vom 01.07.2003 wurden die "Staatliche Materialprüfungsanstalt (MPA) Universität Stuttgart" und die Forschungs- und Materialprüfungsanstalt für das Bauwesen, Otto-Graf-Institut (FMPA) zur "Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart (MPA Stuttgart, Otto-Graf-Institut (FMPA))" wiedervereinigt. Mit dem Zusammenschluss der beiden Einrichtungen zu einer zentralen Universitätseinrichtung verfolgte die Universität Stuttgart das Ziel, die vorhandenen Ressourcen zu bündeln und die Effizienz und Effektivität auf dem Gebiet der Materialprüfung und -forschung durch Nutzung von Synergien zu steigern. Mit der neuen Einrichtung soll darüber hinaus den Instituten des konstruktiven Ingenieurbaus ein verbessertes experimentelles Arbeiten ermöglicht werden.
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Abteilung Maschinenbau |
Abteilung Bauwesen |
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